Hochwasser vom PC aus managen
Tool soll besseren Gesamtüberblick verschaffen
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| Alle Daten zur Hochwasserlage auf einen Blick (Foto: SNF/ Lorenz Hurni) |
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Zürich
(pte/29.07.2008/12:35) -
Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich http://www.ethz.ch (ETH) und der Uni Bern http://www.unibe.ch haben ein neuartiges Internet-Tool entwickelt, dass das Krisenmanagement bei Hochwasserkatastrophen verbessern soll. "Einsatzkräfte haben es in derartigen Situationen oftmals nicht einfach, den Überblick zu behalten", erklärt Lorenz Hurni, Professor am Institut für Kartografie an der ETH Zürich, gegenüber pressetext. Eine besondere Herausforderung dabei ist, die hydrologischen und meteorologischen Informationen im Auge zu behalten. Diese sind jedoch entscheidend, um eine Einschätzung der Hochwasserlage in den kommenden Stunden abliefern zu können.
"Bisher blieb Leitern der Krisenstäbe nicht viel anderes übrig, als sich aus verschiedensten Quellen ihre Daten zusammenzutragen", so Hurni. Dies soll sich mit dem neu entwickelten Programm ändern. Dem Nutzer werden auf einer elektronischen Karte komprimiert Informationen über Regenfälle, Wasserstände, Luftfeuchtigkeit oder aktuelle Wetterradarbilder dargeboten. Das Gehirn der Anwendung ist eine Datenbank, in die ständig aktuelle Messwerte einlaufen. "Bisher lagern zwischen ein und zwei Terabyte Daten auf unserem Server und es werden täglich mehr", sagt Hurni. Gespeist wird diese von Kantons- und Bundesmessstellen und privaten Wetterdienstleistern.
Damit der Nutzer bei der Flut an Daten nicht die Übersicht verliert, ordnet sie das System, klassifiziert die Messwerte und gibt sie entsprechend unterschiedlich codiert auf der Karte aus. Damit sollen kritische Entwicklungen auf einen Blick erkennbar werden. "Derzeit testen wir das Programm mit Hochwasserexperten im Einzugsgebiet der Thur. Wir hoffen aber in zwei Jahren ein marktreifes Produkt zu haben", erläutert Hurni. Ob dies dann jedoch ein kommerzielles sei, stehe nicht zwingend fest. Vielmehr können sich die Forscher vorstellen, in Zusammenarbeit mit Partnern das Projekt in Entwicklungsländern einzusetzen, um dort die oftmals katastrophalen Folgen von bereits leichten Hochwassern zu lindern. "Dafür ist es aber notwendig, dass wir Unterstützer finden, die dort auch kostengünstige Sensoren installieren. Denn ohne diese funktioniert unser Programm nicht", so Studienleiter Hurni. Zudem, so betonen die Forscher, brauche ihr System immer noch Experten, um die Daten richtig auszuwerten. Vor allem nicht erkannte, fehlerhafte Daten seien dabei das größte Problem. Denn diese könnten zu Fehleinschätzungen und damit zu falschen Reaktionen führen.
Mit der neuen Plattform können sich die Zuständigen aber nicht nur einen Blick über die aktuelle Lage verschaffen. Neben dem so genannten "Monitoring" bietet das Tool nämlich auch ein "Retracing" als Option an, das die Entwicklung der letzten Stunden in einer animierten Abfolge nachzeichnet. Die Verantwortlichen können so beispielsweise verfolgen, wie sich eine Flutwelle flussabwärts bewegt. Dies gibt ihnen einen Eindruck von der Dynamik des Geschehens. Vorgesehen ist auch, dass die aktuellen Messwerte mit historischen Daten verglichen werden können. Das so genannte "Comparing" als drittes Element wird es ermöglichen, die ist-Situation in einen größeren zeitlichen Rahmen einzuordnen. Das Instrument hilft also den Verantwortlichen, im Krisenmoment selbst aus der Vergangenheit zu lernen.
(Ende)
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