Madoff-Betrug: Auch deutsche Anleger betroffen
Harsche Kritik am Versagen der Finanzaufsichtsbehörden
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| Branchenexperte kritisiert BaFin als "Phantom ohne Kompetenz" (Foto: pixelio.de, RainerSturm) |
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Frankfurt am Main/Berlin
(pte/19.12.2008/12:00) -
Das Schneeballsystem des ehemaligen Nasdaq-Chefs Bernard Madoff (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=081212019) hinterlässt auch bei den deutschen Investoren deutliche Spuren. Wie die Financial Times Deutschland heute, Freitag, berichtet, sollen mindestens 20 Dachfonds und Zertifikate über Österreich als Drehscheibe vertrieben worden sein. Das Geld wurde dabei von zwei Fonds mit den Namen "Thema US Equity" und "Herald US Absolute Return" über die Alpenrepublik dem Betrugssystem zugeführt. Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass sich der Schaden für die betroffenen Anleger allein in Deutschland auf einen hohen zweistelligen Mio.-Betrag summiert. Die betroffenen Finanzinstitute Frankfurt-Trust, Ampega-Gerlin, Carat und Universal-Investment reagieren unterdessen mit Abschreibungen.
"Modifizierte Schneeballsysteme mit Pseudorenditen, die sich in der Schattenwirtschaft allein durch Neukundenakquise am Leben erhalten, beobachten wir bereits seit über 20 Jahren. Fast alle Aufsichtsbehörden national sowie auf der EU-Ebene haben bei der Überwachung eklatant versagt", kritisiert Volker Pietsch, Vorstand des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS) http://www.dias-ev.de, im Gespräch mit pressetext. Laut dem Finanzmarktexperten sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis das Madoffsche System vollständig zusammenbricht. Die in Mitleidenschaft gezogenen Banken haben sich nach der Erhärtung der Betrugsvorwürfe gegen Madoff am letzten Freitag zusammen mit der deutschen Finanzmarktaufsicht BaFin darauf verständigt, den Wert beider Vertriebsfonds in ihren Portfolios auf zehn Cent abzuschreiben.
Für den Vertrieb beider Fonds an institutionelle Anleger war die Wiener Privatbank Medici verantwortlich. "Der Großteil der Gelder wurde bei Madoff veranlagt", zitiert die Zeitung Medici-Vorstand Peter Scheithauer. Die damit indirekt in das Schneeballsystem involvierten Fonds sind über einen Umweg durch Dachfonds und Vermögensverwalter in die deutschen Depots gewandert. Da es sich bei den Finanzprodukten um frei vertriebene Publikumsfonds handelt, unterliegen sie den Transparenz- und Dokumentationspflichten der Europäischen Union für Investmentfonds. "Alle Behörden, allen voran die BaFin, weisen keine effizienten Strukturen auf. Im Gegensatz zu ihrem österreichischen Pendants FMA, darf die BaFin keine Investorenwarnungen herausgeben. Das macht sie zu einem Phantom", sagt Pietsch weiter.
Gegenüber pressetext weist der Insider darauf hin, dass sich die deutsche Behörde externer Wirtschaftsprüfer bediene, zu wenig eigenes Know-how besitze, zu juristenlastig sei und so die Professionalisierung der Schneeballsysteme ungewollt vorantreibe. "Der graue Kapitalmarkt boomt. Wegen des zu laschen Durchgreifens der BaFin und anderer Kontrollinstanzen ist es Leuten wie Madoff weltweit gelungen, seine Mannschaft an Schaltstellen der Gesetzgebung heranrobben zu lassen. Das zuletzt beschlossene Anlegerschutzverbesserungsgesetz ist daher nicht viel mehr als ein Rohrkrepierer", unterstreicht Pietsch. Problematisch sei, dass die BaFin bei neu zuzulassenden Fonds lediglich die rechtliche Vollständigkeit der Prospekte überprüft. Wie Strukturen aussehen und ob Geschäftskonzepte aufgehen können, bleibe unhinterfragt.
Der bereits 1996 aufgelegte Thema US Equity verfügt über ein Gesamtvolumen von mehr als einer Mrd. Euro und konnte jahrelang konstant gute Gewinne ausweisen. Eine irische Tochter der Großbank HSBC http://www.hsbc.com verwahrt die Vermögensgegenstände des Fonds. Zudem haftet dieser Finanzdienstleister gegenüber den Anlegern, wenn er den Verwahr- und Prüfpflichten nicht nachgekommen ist. Als Wirtschaftsprüfungsfirma wurde die renommierte PricewaterhouseCoopers http://www.pwc.com verpflichtet.
(Ende)
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