pts20060228014 Unternehmen/Wirtschaft, Handel/Dienstleistungen

Österreichs Pensionskassen im internationalen Vergleich

Mercer untersucht Performance in neun europäischen Ländern


Wien (pts014/28.02.2006/10:05) ExpertInnen von Mercer HR Consulting haben einen internationalen Vergleich der Pensionskassen vorgenommen. Untersucht wurde neben den Performancezahlen auch die Risikobereitschaft bei der Veranlagung. Auf den ersten Blick ist in der Untersuchung klar erkennbar: Wer 2005 stärker in Aktien veranlagte, erzielte eine bessere Performance. Besonders risikofreudig wird in Großbritannien und Irland veranlagt, wo bis zu 85 Prozent Aktienquote üblich ist. Österreichs Pensionskassen zählen mit rund 37 Prozent ähnlich wie jene in der Schweiz, den Niederlanden und Spanien zu den konservativen Anlegern und liegen daher performancemäßig im unteren Feld. Details zu diesem Ländervergleich wurden heute in einer Pressekonferenz veröffentlicht. Auch die kürzlich vom Fachverband der Pensionskassen präsentierten Performancezahlen wurden noch einmal unter die Lupe genommen. Die vor kurzem veröffentlichten Ergebnisse sind lt. Mercer differenziert zu betrachten.

Wie liegen Österreichs Pensionskassen im internationalen Vergleich? Diese Frage haben die ExpertInnen von Mercer HR Consulting, einem auf betriebliche Personenvorsorge spezialisierten Beratungsunternehmen, in neun europäischen Staaten gestellt. Untersucht wurden Asset Allocation und Performance der letzten drei Jahre bei den am Markt befindlichen überbetrieblichen und betrieblichen Pensionskassen in Deutschland, Belgien, Irland, den Niederlanden, Portugal, Schweiz, Spanien, Großbritannien sowie in Österreich.

Höchst unterschiedliche Aktienquoten

Der vorliegende Vergleich zeigt deutlich, dass die Ertragserwartung bzw. das Risikoverhalten pro Land sehr unterschiedlich ist. Die Aktienquote liegt zwischen 25 und 85 Prozent (siehe angeschlossene Tabelle).

Österreich liegt mit seiner durchschnittlichen Aktienquote bei rund 37 Prozent. In der gleichen Aktienbandbreite zwischen 30 und 40 Prozent liegen die Schweiz, Spanien sowie die Niederlande.

In dieser Gruppe liegen die Schweiz mit 12,62 Prozent sowie die Niederlande mit 12,4 Prozent über der Performance von Österreich (11,4 Prozent), lediglich Spanien weist mit einem Aktienanteil von 37,8 Prozent nur eine Performance von 9,9 Prozent auf.

Belgien und Portugal veranlagen mit einer Aktienquote zwischen 50 und 60 Prozent, wobei die Performance jedoch extrem unterschiedlich ist: Während Belgien eine Performance von 16,9 Prozent erzielt, erreicht Portugal mit der gleichen Aktienquote nur 8 Prozent.

Die absoluten Spitzenreiter in Bezug auf den Aktienanteil sind wie von den Experten erwartet Irland und Großbritannien. Mit einem Aktienanteil von 72,25 Prozent (Irland) bzw. 85 Prozent (GB) kommen die Pensionskassen auf eine Performance von 22,40 bzw. 21,5 Prozent.

Detail am Rande: Die Schweiz hat als einziges Land einen Immobilienanteil von 20 Prozent. Bei den restlichen Ländern liegt der Immobilienanteil jeweils nur zwischen 1 und 10 Prozent.

Mut zum Risiko brachte 2005 Performance-Plus

Basierend auf diesen Vergleichsziffern lässt sich folgender Trend ableiten: Je höher die im Jahr 2005 festgelegte Aktienquote war, desto besser war die ausgewiesene Performance. Einziger Ausreißer in dieser Untersuchung ist Portugal.

Was kann man aus dem europäischen Zahlen für Österreich schließen?

Österreichs Pensionskassen veranlagen mit einem Aktienanteil von rund 37 Prozent vergleichsweise eher konservativ. Dass sich Mut zu mehr Volatilität sprich Risiko (vor allem als Konsequenz des überwiegenden Verzichts auf den Mindestertrag) 2005 positiv ausgewirkt hat, ist im vorliegenden europäischen Vergleich klar ablesbar.

Die Experten warnen aber: "Hohe Volatilität kann nur dort eingegangen werden, wo es die technischen Rahmenbedingungen sowie die Berechtigtenstrukturen erlauben. Dies heraus zu finden, ist Aufgabe des professionellen Asset Liability Management der Pensionskassen", so Kurt Bednar, Geschäftsführer der Österreich-Niederlassung von Mercer HR Consulting.

PK-Performance 2005 in Österreich: wiederum geringer als veröffentlicht

Absolut gesehen zeigen die Performancezahlen der österreichischen Pensionskassen für das Jahr 2005 ein prinzipiell erfreuliches Bild: Performancezahlen in der Höhe von 11,4 Prozent sind verglichen mit den letzten Jahren durchaus zufrieden stellend.

Wie auch 2004 liegt aber die Performance der überbetrieblichen Pensionskassen mit einem Durchschnitt von 10,68 Prozent weit unter der veröffentlichten Gesamtperformance, bei der betriebliche und überbetriebliche PKen zusammengezogen wurden. Die Vermutung wird also wieder bestätigt, dass die betrieblichen Pensionskassen 2005 wesentlich besser als die überbetrieblichen Pensionskassen veranlagten. Es besteht daher bei den offenen Kassen noch erhebliches Optimierungspotential.

Die Durchschnittsperformance aller offenen Veranlagungs- und Risikogemeinschaften für 2005 liegt bei 10,78 Prozent, wobei die Bandbreite zwischen 5,80 und 13,80 Prozent liegt. Die Differenzen ergeben sich im Jahr 2005 klar durch die unterschiedliche strategische Asset Allocation (Veranlagungsstrategie) sowie durch die Qualität der eingesetzten Fonds und der Fondsauswahl.

Trotz guter Performance Pensionskürzungen bei einigen VRGen wahrscheinlich.

Für viele Pensionskassenkunden reicht aber auch eine Performance von 8 bis 10 Prozent nicht aus, um Pensionserhöhungen zu bekommen.

Ein Beispiel:

Rechnungszins.................................................................6,5%
Dotation Mindestertragsrücklage.......................................0,6%
Umstellung der Rechnungsgrundlagen..............................0,7%
Aufstockung der negativen Schwankungsrückstellung.......1,0%
Summe............................................................................8,8%

Aus diesem Szenario ergibt sich eine notwendige Performance in der Höhe von zumindest 8,8 Prozent um eine Pensionskürzung gegenüber dem Vorjahr abzufangen.

Kurt Bednar dazu: "Es gibt auch nach einem absolut gesehen sehr guten Veranlagungsjahr 2005 noch immer einzelne VRGen (Veranlagungs- und Risikogemeinschaften), die nach drei guten Performancejahren die negativen Schwankungen der Vergangenheit nicht kompensieren konnten."

Diese Entwicklung sowie der Performanceunterschied zwischen betrieblichen und überbetrieblichen Pensionskassen zeigen nach wie vor, dass eine auf die Rahmenbedingungen sowie die Berechtigtenstruktur abgestimmte Veranlagungsstrategie (Asset Liability Management) unumgänglich am österreichischen Pensionskassenmarkt ist. Jede nicht abgestimmte Veranlagungsausrichtung ist eine Verschwendung von Performance und bringt Nachteile für die Pensionsbezieher.

Die Experten sehen zusammenfassend eine Ausweitung der Aktienquote als unbedingt notwendig, um langfristige Pensionserhöhungen gewährleisten zu können. Allerdings nur mit entsprechendem Asset Liability Management abgestimmt auf die Berechtigtenstruktur der einzelnen VRG. Wie es geht, macht der europäische Markt erfolgreich vor.

Status Quo der Betrieblichen Kollektivversicherung

Seit 23. September 2005 können Betriebliche Kollektivversicherungen abgeschlossen werden. Nicht alle Lebensversicherer, die diese Möglichkeit anbieten, waren zu diesem Stichtag bereit. An den Tarifen und Programmen wird bei manchen Versicherungsgesellschaften nach wie vor gearbeitet, wie z.B. an einer Erweiterung um den Zusatzbaustein Berufsunfähigkeitspension.

Die Anzahl der bis dato abgeschlossenen Betrieblichen Kollektivversicherungsverträge ist bei allen Versicherern überschaubar. Die Zahl liegt in ganz Österreich unter 1.000 Verträgen. Die Gründe hierfür sind zurückzuführen auf:
- fehlende gesetzliche Adaptierungen (z.B. in Bezügegesetzen)
- weitgehend von der Pensionskasse ausgeschöpften Markt
- von Beginn an neue Rechnungsgrundlagen (scheinbar teurer)

Um den Verkauf der Betrieblichen Kollektivversicherung zu fördern, werden jetzt einige Lebensversicherer mit Pensionskassen gemeinsam Kombiprodukte anbieten, bei denen der Arbeitnehmer selber aussuchen kann, ob Versicherung oder Pensionskasse. Zusätzlich kann er - je nach Anbieter und vom Unternehmen gewünschter Ausgestaltung - während der Laufzeit und zum Pensionsantritt kostenlos switchen.

"Eine positive Entwicklung der betrieblichen Kollektivversicherung wird es nur dann geben, wenn sie über Kollektivvertrag quasi obligatorisch wird. Da sperren sich aber die Arbeitgeber, obwohl die Finanzierung ohnehin durch Umwandlung zustande kommt", so Kurt Bednar abschließend.

Mercer ( http://www.mercerhr.com ) ist weltweit mit 149 Büros in 41 Ländern vertreten. 16.000 MitarbeiterInnen erwirtschafteten 2005 einen Umsatz von 2,7 Mrd. U$. Mercer Österreich betreibt Standorte in Wien, Linz und Graz (mit Zuständigkeit für Slowenien/Kroatien) und konnte 2005 mit 18 Mitarbeitern einen Umsatz von rd.2 Mio. EUR erzielen. Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Bereich Retirement Consulting (betriebliche Vorsorge), Investment Consulting (Optimierung von Pensionskassen und Veranlagungen) sowie seit 2004 Human Capital Consulting (Vergütungsberatung). Von Österreich aus wird auch der slowenische, kroatische und serbische Markt betreut.

Weitere Informationen bei:
Mercer HR Consulting
Dr. Kurt Bednar
Tel. 01/533 97 66
kurt.bednar@mercer.com

Pressekontakt:
comm*in PR*Events*Consulting
Mag. Andrea Pfennigbauer
Tel. 01/319 41 01
a.pfennigbauer@commin.at

(Ende)
Aussender: pts - Presseinformation (A)
Ansprechpartner: Dr. Kurt Bednar
Tel.: 01/533 97 66
E-Mail: kurt.bednar@mercer.com
|