pte20041223007 Umwelt/Energie, Forschung/Entwicklung

Tiefsee-Wirbel als Klimaindikator

Pendant zu atmosphärischen Hurrikanes entdeckt


Kiel (pte007/23.12.2004/11:09) Wissenschaftlern des Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) http://www.ifm-geomar.de haben in der Tiefsee vor dem südamerikanischen Kontinent große Wirbel entdeckt. Nach Angaben des Instituts sind diese Wirbel ein Pendant zu atmosphärischen Wirbelstürmen. Aufgrund der Tatsache, dass sie so tief im Meer passieren, stellen sie keine Gefahr für die Schifffahrt dar. Die Wirbel könnten allerdings ein wichtiger und verhältnismäßig einfach messbarer Indikator für Klimaveränderungen sein.

"Der klimarelevante Teil des atlantischen Strömungssystems ist die meridionale Umwälzzirkulation. Sie beinhaltet sowohl den Transport von warmem Wasser in den oberen Bereichen des Atlantiks nach Norden als auch den Rückfluss von kaltem Tiefenwasser nach Süden", berichtet das Institut. Dabei wird Tiefenwasser mit dem westlichen Tiefenrandstrom befördert, der dem Verlauf der amerikanischen Kontinentalabhänge folgt. Bisher haben die Forscher angenommen, dass der Tiefenrandstrom weitgehend ruhig und kontinuierlich dahin fließt. Nun hat das Geomar-Team entdeckt, dass die Strömung vor der Küste Brasiliens in riesige Wirbel zerfällt, die regelmäßig etwa alle 60 Tage entstehen.

Diese Wirbel, die auch Eddies genannt werden, ziehen den Kontinentalabhang entlang in Richtung Süden. Die Modelle der Forscher zeigen auch, dass die Eddies nur dann entstehen können, wenn der Zustrom des Tiefenwassers aus dem Nordatlantik stark genug ist. Wäre der Zustrom schwächer, würden die Wirbel ausbleiben. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass die Eddies daher ein wichtiger Indikator für Veränderungen der Umwälzzirkulation und damit auch des Golfstroms sind.

Die Auswertung der vor vier Jahren installierten Strömungsmesser am Meeresgrund südlich von Recife hat ergeben, dass die Wirbel in 2.000 Meter ihr Maximum haben. In dieser Tiefe sind sie etwa 300 Kilometer breit. Die Strömungen sind im Vergleich zu atmosphärischen Wirbelstürmen mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 150 Metern pro Stunde relativ langsam. Unbekannt bleibt bisher wie lange und bis wohin die Wirbel ihre Form behalten.

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