pte20070719031 Medien/Kommunikation, Politik/Recht

MyVideo empört Homosexuelle

Videoportal mit Vorwurf der Volksverhetzung konfrontiert


Hat MyVideo etwas gegen Homosexuelle? (Foto: Pixelio)
Hat MyVideo etwas gegen Homosexuelle? (Foto: Pixelio)

Berlin (pte031/19.07.2007/13:07) Dem deutschen Videoportal MyVideo http://www.myvideo.de steht eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung ins Haus. Grünen-Parlamentarier Volker Beck http://www.volkerbeck.de erstattete vergangene Woche Anzeige, weil sich auf der Videoplattform schwulenfeindliche Videos befinden sollen. Der Vorwurf bezieht sich konkret auf ein Musikvideo der Rapper G-Hot und Die Kralle (aka Boss A), in dem laut Beck zur Gewaltanwendung gegen Homosexuelle und ihrer Vertreibung aufgerufen wird http://www.myvideo.de/watch/1867956 . Das Video ist von den Plattformbetreibern inzwischen blockiert worden.

In dem Liedtext "Keine Toleranz" der beiden Rapper heißt es etwa, man solle "ihnen den Schwanz abschneiden - keine Toleranz, wir dulden keine Schwuchteln", so Beck. Zu Wort meldete sich auch das schwul-lesbische Internetportal ComingOutHelp.de http://www.comingouthelp.de , das MyVideo Zensur von homosexuellen Inhalten vorwirft. "Nach deutschem Recht vollkommen jugendfreie Inhalte werden auf MyVideo erst ab 18 Jahren freigegeben, während vergleichbare oder 'härtere' heterosexuelle Inhalte als für alle Altersgruppen geeignet eingestuft werden", beschwert sich Michael Krebs, Betreiber von ComingOutHelp.de.

Die MyVideo-Betreiber versuchen sich von den Plattforminhalten zu distanzieren, indem sie sich für die online gestellten Inhalten für "nicht verantwortlich" erklären. Juristisch gesehen sei das aber nicht richtig, wie Beck betont. Die Strafanzeige wegen Volksverhetzung sei MyVideo nur aus Medienberichten bekannt, so eine Sprecherin gegenüber pressetext. Die Zensurvorwürfe weist MyVideo von sich. "Auf MyVideo findet keine Zensur statt. Die Mitglieder haben allerdings die Möglichkeit, bestimmte Videos zu melden, die sittenwidrig oder illegal sind", so die Sprecherin weiter.

Nicht zum ersten Mal wird ein Online-Portal mit dem Vorwurf, rassistisch oder minderheitenfeindlich zu sein, konfrontiert. Das Studentennetzwerk StudiVZ http://www.studivz.de geriet Ende vergangenen Jahres in Zusammenhang mit rechten Gruppen, die es auf dem Portal geben soll, in Verruf (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=061116001 ), und auf MySpace sollen Seiten von Lesben und Schwulen gelöscht worden sein (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070320029 ). Christian Vollmann, der Geschäftsführer der Mediaagentur Magic Internet http://www.magicinternet.de , die MyVideo.de betreut, war zuvor auch an StudiVZ beteiligt.

MyVideo ging im April 2006 als erste deutsche Videoplattform online. Bislang konnte das Videoportal die Marktführerschaft von YouTube am deutschen Markt nicht streitig machen. Laut Nielsen/Netratings kam MyVideo im Mai dieses Jahres auf 4,05 Mio Unique Visitors, während YouTube 5,12 Mio. Unique Visitors auf seine Seiten locken konnte.

(Ende)
Aussender: pressetext.deutschland
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